Kultur

Def. Kultur in den Artikeln: „Firstly, culture is understood as thought in action, as a means by which people are able actively to understand their place within the reality within which they live.“(1) Dazu kommt aber ein spezifisches Verständnis von Kultur als organisierte Kultur: „let us organize culture in the same way that we seek to organize any practical activity.“(2)
„Culture […] is organization, discipline of one’s inner self, a coming to term with one’s own personality; it is the attainment of a higher awareness, with the aid of which one succeeds in understanding one’s own historical value, one’s own function in life, one’s own rights and obligations.“(3)

„Kultur“ wird in den Gefängnisheften im Burkhardtschen Sinn gebraucht, als „kultureller Ausdruck eines geschichtlichen Prozesses“ (im Sinne eines Prozesses der hierarchischen Vereinigung der Weltkultur, in dem die westliche Kultur eine hegemoniale Stellung gegenüber der Weltkultur einnimmt), gleichzeitig dehnt G. den Kulturbegriff auf die gesamte Gesellschaft aus, also alle Menschen, „insofern sie eine intellektuelle Tätigkeit ausüben“ (entgegen der Sichtweise z.B. Croces, die kult. Phänomene v.a. als ‚hohen‘ Ausdruck ‚geistiger Aristokratie‘ betrachtet). Dabei betrachtet G. Kultur auch immer im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Prozessen, indem er die Kulturproduktion und Kultur als Produktion der Superstrukturen in den Blick nimmt.

Zudem legt G. den Schwerpunkt auf die Existenz mehrerer Kulturen in einer Gesellschaft, er sieht Kulturen nicht, wie z.B. in der Anthropologie immer noch praktiziert, als fest umrissene Einheiten, sondern als ein Geflecht verschiedener nebeneinander existierender Kulturen verschiedener Gruppen in einer Gesellschaft, die alle „intellektuelle Aktivitäten“ ausüben (der lokale Priester, der alternde Patriarch, dessen Weisheit Gesetz ist). Dazu gehört z.B. auch sein Argument, Folklore nicht nur als pittoreskes Element der subalternen Klassen zu betrachten, sondern als eine (wenn auch implizite, mechanische und objektive) „Konzeption der Welt“ oder Weltsicht, die durchaus in Opposition zu ‚offiziellen‘ Konzeptionen stehen kann (hier ist der Kultur- stark mit dem Ideologiebegriff verbunden). Dabei macht er allerdings eine Unterscheidung zwischen einer unkritischen („mechanischen“) Übernahme der Kultur des jeweiligen sozialen Millieus, in das man hineingeboren wird, und einer kritischen, bewußten Ausarbeitung unserer eigenen Weltsicht.

Zum Zusammenhang zwischen Kultur, „gesundem Menschenverstand“ und Philosophie folgende Stelle, wo sich G. mit der Frage beschäftigt, ob Philosophie eine „rein rezeptive bzw. allenfalls ordnende oder aber eine absolut schöpferische Tätigkeit“ sei:
„Um dem Solipsismus und zugleich den mechanistischen Auffassungen zu entgehen, die in der Auffassung des Denkens als einer rezeptiven und ordnenden Tätigkeit impliziert sind, muß man die Frage ‚historizistisch‘ stellen und zugleich den ‚Willen‘ (in letzter Instanz die praktische oder politische Tätigkeit) als Basis der Philosophie setzen, aber einen rationalen, nicht willkürlichen Willen, der sich realisiert, insofern er objektiven geschichtlichen Notwendigkeiten entspricht, das heißt, insofern er die Universalgeschichte selbst im Moment ihrer progressiven Verwirklichung ist; wenn dieser Wille anfangs von einem einzelnen Individuum repräsentiert wird, so dokumentiert sich seine Rationalität darin, daß er von der großen Zahl aufgenommen wird, und zwar dauerhaft aufgenommen, das heißt, eine Kultur wird, ein ‚gesunder Menschenverstand‘, eine Weltauffassung, mit einer ihrer Struktur entsprechenden Ethik.“(4)

also:

1. „Philosophie“ ist für G. nicht allein die von einer bestimmten Gruppe betriebene radikale Auseinandersetzung mit dem Denken „an sich“ und bestimmten grundsätzlichen logischen oder metaphysischen Problemen, wie vom Großteil der „klassischen“ Philosophie angenommen (ganz radikal z.B. Leo Strauss, der einen esoterischen Begriff von Philosophie hat, die er nur einer kleinen, dazu fähigen Gruppe überlassen will, aber auch andere, wie Hannah Arendt). Dies, so G. sei die originäre Leistung der „Philosophie der Praxis“: sie historisiere das Denken, „insofern sie es als Weltauffassung nimmt, als bei der großen Zahl verbreiteten „gesunden Menschenverstand“ […], der auf eine Weise verbreitet ist, daß er sich in eine Verhaltensnorm verwandelt.“ (ebd.) G. verbindet also einen breiten Begriff von Philosophie mit bestimmten, historischen Gesellschaftsordnungen.

2. Kultur, „gesunder Menschenverstand“ und Weltauffassung sind hier äquivalent gedacht, als Ausdrucksformen der jeweils einer historischen Epoche zuzurechnenden Philosophie im Alltagsbewußtsein (?).

3. Gleichzeitig scheint in der Formulierung vom „Willen“, der „die Universalgeschichte selbst im Moment ihrer progressiven Verwirklichung“ ist, ein recht orthodoxer Geschichtsdeterminismus durch. (?)

(1) Crehan, Kate: Gramsci, Culture and Anthropology, London/Sterling 2002, S. 73
(2) SCW, S. 25
(3) SPW1, S. 11
(4) GH, Heft 11, §59, 1472f.; meine Hervorhebung

Erste Sitzung im neuen Jahr am 14.1.

Ursprünglich wollten wir schon am Mittwoch, den 7.1. loslegen, mangels Masse verlegen wir die erste Sitzung nach dem Jahreswechsel eine Woche nach hinten, sprich auf den 14.1. um 20 Uhr.

Bis denne
Eure Gramsci-Lesegruppe

Buchbesprechung im Argument Sonderband 278

In der aktuellen Ausgabe (Nr. 278) der Zeitschrift „Das Argument“ wird auf zwei Seiten ein theoretischer Sammelband zu Gramsci besprochen. Der schon im Jahr 2007 erschienene Sammelband wurde herausgegeben von Sonja Buckel und Andreas Fischer-Lescano. Sein Titel lautet: „Hegemonie, gepanzert mit Zwang. Zivilgesellschaft und Politik im Staatsverständnis Antonio Gramscis“.

Die Rezension wird den TeilnehmerInnen der Lesegruppe zugänglich gemacht.

Passive Revolution

Die Forderungen einer sozialen/revolutionären Bewegung werden von der herrschenden Klasse (bzw. dem “Block an der Macht” – kann auch ein Teil der herrschenden Klasse sein) aufgenommen und integriert, dadurch eine “Revolution von oben”, die allerdings die grundlegenden Charakteristika des bestehenden Systems beibehält.

Für die Herrschenden als auch die Beherrschten ist eine passive Revolution ein zweischneidiges Schwert: Durch die Übernahme von Forderungen der Beherrschten finden deren Anliegen Eingang ins System jedoch um den Preis des weiter andauernden Auschlusses der Beherrschten von der Macht.

Dieses Bild besitzt eine hohe Dynamik (oder besser Dialektik) und ist ein analytischer Gewinn für zahlreiche Prozesse. Es ist nicht normativ vorbelegt, d.h. sowohl emanzipatorische als auch nichtemanzipatorische Interessen können so (im doppelten Wortsinn) aufgehoben werden. Und auch Varianten dieses Bildes können in realen Prozessen erkannt werden, sobald das grundlegende Muster bekannt ist.

Ein aktuelles Beispiel einer passiven Revolution wäre für mich die Übernahme von ausländerrechtlichen Forderungen der rechtextremen Partei „Die Republikaner“ aus den 90er Jahren, die mittlerweile in der herrschenden Politik von den Regierungsparteien (CDU/CSU/SPD/Die Grünen) aufgegangen sind. Die Republikaner selbst hat inzwischen aber zerbröselt.

Protokoll der dritten Sitzung (3.12.)

5 Anwesende

Dieses Protokoll hat ewig bis zu seiner Fertigstellung gebraucht :-( Dank gebührt rh für seine Hilfe beim Ausarbeiten . Inzwischen fanden zwei weitere Sitzungen (am 10. und 17. 12.) statt, deren Protokolle noch ausstehen. Bis auf weiteres ist geplant, die nächste Sitzung am 7.1. durchzuführen :-)

Wir hatten in der dritten Sitzung das Kapitel „Zur Einführung“ gelesen, das folgenden Untertitel hat: „Versuch, auf dem Grunde des Brunnens zu schreien. Gramscis amerikanische Studien“. S. 7 -25. Die Ziffern bei den Zwischenüberschriften geben die Seitenzahlen im Reader an.

Zum Titel des Readers (7)
Gramsci hat mit dem Titel „Amerika und Europa“ einzelne Notizen gekennzeichnet. Das Heft 22 hatte er mit „Amerikanismus und Fordismus“ betitlet.

Ziele des Readers? (7)
„die Auswahl soll „Gramscis intensive Beschäftigung mit den USA, dem Fordismus und dem Amerikabild seiner Epoche einem allgemein interessierten Publikum und den Fachwissenschaftlern verschiedener Disziplinen zugänglich machen“
- methodische Anregung, die von Gs Texten ausgeht und für heutige Fragestellungen wichtig sein kann.
- Zwar sind Gs Texte inhaltlich eher von historischem Interesse, aber auch heute muss, wie von G gezeigt, nach neuen technologischen Konstellationen und der Reproduktion des Kapitalismus darin gefragt werden, genauso wie nach deren Auswirkungen auf den Alltag der Menschen und die Verarbeitung in der Kultur.

Fragestellungen Gramscis? (7, 8 )
G. Fragt nach der Arbeit unter den Bedingungen eines sich auf neuer technologischer Stufe reproduzierenden Kapitalismus, nach den Auswirkungen auf den Alltag der Menschen und nach ihrer Selbstverständigung in der Kultur“
Die Frage ist somit für uns: wie liesse sich der heutige neoliberale Kapitalismus unter dem gleichen Blickwinkel analysieren

Warum diese Auswahl? Anordnung / Gruppierung, Unvollständigkeit, Doppelungen 9

Auswahl nach der Nähe zu den Themen USA, Fordismus und nachholender Fordismus in Europa

Der Reader ist in 5 Kapitel gegliedert:

- Vorüberlegungen (zur Geschichte Krise und Weltpolitik)
- Heft 22: Amerikanismus und Fordismus (auch hier noch provisorisch und unvollendet)
- Die USA: Materialien und Reflexionen (bezogen auf Bevölkerung, Religion und Polizei sowie die gesellschaftliche Funktion der Intellektuellen)
- Amerikanismus und Fordismus in Europa (das Amerikabild in Europa: von maßloser Begeisterung bis Überheblichkeit gegenüber der neuen Welt)
- Interventionen und Verknüpfungen (diverses, Massendiskurs, Erziehung der Intellektuellen))

Erklärung der Bezeichnung A, B, C-Texte für unterschiedliche Ausarbeitungsweisen von Paragraphen in Gramscis Gefängnisheften.
A-Texte: erste Fassungen
C-Texte: überarbeitete A-Texte
B-Texte: nur in einer Fassung existierende Texte

Bsp. Rotary Club, YMCA 9, 10
Wir haben uns über die Beispiele etwas gewundert, sie werden in der Einleitung auch nicht weiter ausgeführt.
Zum Rotary Club s. Heft 5, §2 (im Reader S. 93ff.) und §4 (S. 96ff.)

Schwierigkeit der Auswahl durch die hohe Vernetztheit seines Denkens, sein Ringen um angemessene Begriffe (10)

spannungsreiche Methodik 19

Motive des Amerika Diskurses (Modernität, Glücksversprechen und Schreckensszenario, nachholender Fordismus in Europa)
Diese Motive sind für uns insofern interessant, als wir Teile davon in heutigen Diskursen, besonders im antiamerikanischen Diskurs, wiederentdecken.
Barfuss zeigt zunächst die Ürsprünge einiger Bilder zu Amerika bei Tocqueville: Amerika als „politisch-gesellschaftliche Avantgarde der bürgerlichen Gesellschaft“ (11). Dabei aber Ambivalenz zwischen Prozess der Gleichheit und dem der Gleichförmigkeit. Um die Jahrhundertwende, so Barfuss, habe dieser „skeptisch-warnende Aspekt“ gedroht, sich zu einem „undifferenzierten Topos“ (11), also einer nicht mehr hinterfragten Grundannahme, zu entwickeln. Gramsci tut eben das: den Topos hinterfragen und fragt nach den Gründen für die Beliebtheit dieses antiamerikanischen Klischees unter den europäischen Intellektuellen.
Auch den anderen Topos, den der Nachzüglerposition Amerikas hinter dem „modernen“ Europa, dreht Gramsci um (wie Tocqueville auch), indem er die gesellschaftlichen Prozesse in Europa selbst als „nachholende Modernisierung vonseiten der zurückgebliebenen Kapitalismen“ (12, zit. WF Haug) analysiert. Wichtig dabei: die „nachholende Fordisierung bei Fortbestehen einer ‚Unmenge passiver Ablagerungen‘ in der ‚demographischen Zusammensetzung Europas‘“ (12) ist ein zentrales Element in Gs Faschismusanalyse.

Faschismusanalyse (16)
Des längeren wurde zum Thema Faschismus diskutiert, sowie über die Bedeutung, die die Auseinandersetzung mit Faschismus in Gramscis Biografie und seinen Publikationen hatte. Angesprochen wurden Zusammenhänge zwischen Fabrikarbeit und Faschismus, Adornos Studien zum autoritären Charakter, der Prohibition und Sexualität. Frage nach der Verwandtschaft zwischen New Deal und Faschismus (dazu übrigens: Schivelbusch, Wolfgang: Entfernte Verwandtschaft: Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal. 1933-1939, Ffm. 2008)

Neue Begriffe (Passive Revolution)
Passive Revolution (d.h., die Forderungen einer sozialen/revolutionären Bewegung werden von der herrschenden Klasse (bzw. dem „Block an der Macht“ – kann auch ein Teil der herrschenden Klasse sein) aufgenommen und integriert, dadurch eine „Revolution von oben“, die allerdings die grundlegenden Charakteristika des kap. Systems beibehält.) hat uns interessiert, da für Analyse der Herausbildung des Neoliberalismus geeignet.

Marx, Weber, Adorno (Ähnlichkeiten und Unterschiede)

Arbeitsbedingungen im Gefängnis 14, seine Quellen 15 f

Europäisches Amerikabild (Ablehnung, Mythen), Kritik der Kritiker des Antiamerikanismus (Baier) 18 Unkultur, altes Europa

Aus der Diskussion

Kulturwissenschaften Raymond Williams, Stuart Hall 18

Die Cultural Studies (wichtigste Vertreter: R. Williams, S. Hall) beriefen sich nachdrücklich auf Gramsci. RWs „Marxism and Literature“ ist bis heute einer der Schlüsseltexte der Gramsci-Vermittlung (damals waren die GH nur in Auszügen auf Englisch veröffentlicht). Problem allerdings: RW schränkt die Interpretation der Begriffe auch stark ein und verzerrt sie, so ein Vorwurf. Daher auch heute noch G als „auteur plus souvent cité que réellement connu“ (Foucault), als öfter zitiert als denn wirklich gelesener Autor. Kritik an Cultural Studies: Popularität der CS führte zu Einengung der Begriffe und letzlich dazu, dass sie „um ihre politische und ökonomische Dimension gebracht wurden.“ (19)

Geschlechterverhältnisse und Produktionsweise:
Gramsci denkt die moralischen Kampagnen im Amerika der 20er Jahre als Teil der Durchsetzung einer neuen Arbeitsweise: die Frau wird zur Trägerin der Reproduktionsarbeit, zur Hausfrau gemacht, um die neuen Arbeitsweisen zu ermöglichen: Geschlechterverhältnisse als Produktionsverhältnisse.
Ansatz das heute weiter zu denken: Die Herausbildung der neuen Arbeitsweisen im Postfordismus/Neoliberalismus wird ebenfalls begleitet durch eine Welle sexualpolitischer Kämpfe: „Immer handelt es sich um heftige Kampagnen, die sowohl von Feministinnen aufgenommen und im Namen von Selbstbestimmung bis hin zur Anrufung des Staates geführt werden; sie werden zumeist ebenso in konservativen Strategien der Wiederherstellung und Bewahrung von alter Ordnung genutzt.“ (F.Haug)

Definition Fordismus:
Fordismus als „umkämpfte[r] Versuch, diese neue Arbeitsweise mithilfe zivilgesellschaftlicher und staatlicher Interventionen zu einer neuen Lebensweise und Alltagskultur zu verstetigen.“ (21) Aber auch Frage, ob Fordismus als eine geschichtliche Epoche verstanden werden kann. Der Begriff Fordismus wurde von Gramsci geprägt und ist heutzutage in aller Munde. Er meint mehr als nur den Verweis auf die Produktionsweise (Fliessband in der Automobilproduktion). So ist damit auch die Vorstellung einer Teilhabe der Konsumenten an den Produktivitätsgewinnen verbunden: der Massenkonsum wird erst möglich durch Massenkaufkraft.

Keynesianismus vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Keynesianismus

Taylorismus: Wissenschaftliche Betriebsführung (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Taylorismus) Ziel: Brechen der Phalanx der Arbeiter gegenüber dem Unternehmer durch Aneignung ihres Erfahrungswissen. Schliessung der „Poren des Arbeitstages“ (Marx) durch intensivere (weil wissenschaftlich analysierte und dann erhöhte) Ausbeutung der Arbeitskraft. siehe Verdichtung des Arbeitstages, Löhne GH §13 H. 22, 2. Absatz

Weitere Stichworte: Haymarket, Amerikan. Arbeiterbewegung, Sacco und Vanzetti, F.I.S.T. …

Weblog der Lesegruppe
Auf http://gramsci.blogsport.de erscheinen Protokolle. Die Art, wie dort ein Glossar mit gramscianischen Begriffe über Kategorien entwickelt und kollektiv mit Inhalten gefüllt werden können wird beschrieben. Für die Anwesenden wird auf der Seite ein Account zum mitschreiben auf der Seite eingerichtet. Kommentieren ist auch ohne Account möglich.

Protokoll der zweiten Sitzung (26.11.)

nächstes Treffen: Mittwoch, 03.12. 20 Uhr im Radioraum

Wir haben zunächst mal über die weitere Vorgehensweise nachgedacht. Was den Termin angeht, tendieren wir dazu, bei Mittwoch zu bleiben, weil diejenigen, die bei einer Verlegung noch dazustossen wollten, nun doch nicht kommen werden.
Ausserdem wollen wir nochmal verstärkt auf verschiedenen Kanälen (u.a an der Uni) werben und noch ein paar Leute mehr ins Autonome Seminar locken.

Zweitens haben wir uns mit der Biographie Gramscis beschäftigt. Formal hiess das erstmal, dass zwei Teilnehmende, die das letzte Mal schon da waren und sich entsprechend vorbereitet hatten, den dreien, die neu waren, das Angelesene und ihre Ideen dazu erzählten.
Uns beide, also stw und rh, hatten dabei vor allem folgende Fragen beschäftigt: In welchem historischen Kontext entstanden die Gefängnishefte? Welchen Einfluss hatte dieser Kontext auf Gramscis Leben? Wie stand Gramsci zu Lenin, wie zum Stalinismus? Wie begegneten die Komintern, die KPdSU, die KPI und Gramsci dem Faschismus? Wie steht die Biographie Gramscis mit seinem Werk (v.a. den Gefängnisheften) in Zusammenhang?

Wir haben die biographischen Daten Gramscis auf einer Zeitachse veranschaulicht, die u.a. Einträge für die Oktoberrevolution in Russland, die beiden Weltkriege, den span. Bürgerkrieg, die Machtergreifung des Faschismus in Italien und Deutschland und die Phasen stalinistischer Verfolgungen enthielt.

Zunächst mal zu den Daten:

1891
Antonio Gramsci wird auf Sardinien geboren

1911
Er geht nach Turin, studiert zunächst Philosophie und Sprachwissenschaften, besucht aber auch Vorlesungen in den Fächern Jura, Literaturwissenschaft, Geschichte. Erste Kontakte in die sozialistische Bewegung, gleichzeitig auch Beschäftigung mit der sardischen Separatistenbewegung. In Turin tritt Gramsci 1913 der Sozialistischen Partei (PSI) bei.

1914-1918
Erster Weltkrieg. Gramsci beteiligt sich mit einem Artikel an der Debatte über die Position der PSI zum Krieg, dabei polemisiert er gegen Angelo Tasca, der sich für „absolute Neutralität“ ausgesprochen hatte. In den folgenden Jahren arbeitet Gramsci als Theaterkritiker und Journalist für die Zeitungen „Avanti“ und „Il Grido del Popolo“. Ab 1917 ist er Redakteur in einer sozialistischen Jugendzeitschrift.

1917
Artikel „Die Revolution gegen ‚Das Kapital‘“, in dem Gramsci die russische Oktoberrevolution untersucht und dabei zeigt, dass eine kommunistische Revolution entgegen den Annahmen einer rein ökonomistischen Interpretation auch in einem Land stattfinden kann, das ökonomisch gar nicht auf der entsprechenden Entwicklungsstufe steht.

August 1917
grosser Arbeiteraufstand in Turin. Nach dessen Niederschlagung und der Inhaftierung fast aller führenden Sozialisten wird Gramsci Sekretär des provisorischen Exekutivkommittees und übernimmt die Leitung des „Grido del Popolo“

1918-1921
sind die grossen Jahre der Arbeiterbewegung in Turin. Die Revolution scheint zum Greifen nah, Generalstreiks werden ausgerufen und Arbeiterräte gebildet. Gramsci engagiert sich für die Schaffung eines proletarischen Kulturvereins, organisiert Lesegruppen in den Fabriken und betreibt Propaganda unter Soldaten bäuerlicher Herkunft, die zur „Wahrung der öffentlichen Sicherheit“ nach Turin geschickt wurden. Gemeinsam mit Parteifreunden gründet er die Zeitschrift „L‘Ordine Nuovo“. In einem Artikel („Arbeiterdemokratie“) setzt er sich mit den Arbeiterräten auseinander, die er als „Zentren proletarischen Lebens“ und künftige Organe der politischen Macht sieht. Er übersetzt aus der internationalen Arbeiterpresse, besonders Texte zu den Arbeiterräten, und veröffentlicht Texte von Lenin, Bela Kun u.a. In dieser Zeit wächst aber auch die faschistische Bewegung.

1920
wird der Generalstreik ausgerufen, an dem sich in Turin über 200 000 ArbeiterInnen beteiligen. Jedoch dehnt sich die Bewegung nicht, wie erhofft, auf das ganze Land aus. Nach zehn Tagen endet der Generalstreik mit einem Sieg der Industriellen. Die Spannungen zwischen der Gruppe um Gramsci und Bordiga und der Führung der PSI, die den Streik nicht billigte, verschärfen sich. Gramsci nähert sich der „maximalistischen“ Fraktion um Amadeo Bordiga an (die sich gegen jede Beteiligung am Parlament und an Wahlen richtet). Die „kommunistische Fraktion“ gründet sich im November offiziell.

1921
Im Januar spaltet sich die Fraktion um Bordiga von der PSI ab und gründet mit Unterstützung der Kommunistischen Internationale die „Kommunistische Partei Italiens. Sektion der Dritten Internationale“ (KPI).

1922
Am 28. Oktober inszenieren die Faschisten einen „Marsch auf Rom“. Bereits kurz vorher hat Mussolini vom König die Macht übertragen bekommen. Die Verfolgung der Kommunisten beginnt, die Partei wird immer weiter in den Untergrund gedrängt. In den folgenden Jahren werden immer wieder führende Kommunisten von den Faschisten verhaftet, aber auch immer wieder welche freigelassen, da die Faschisten ihre Macht noch nicht vollständig konsolidiert haben. (König und Parlament existieren immer noch als Gegenpole politischer Macht.)
Gramsci geht im Mai nach Moskau, um Kontakt zur Kommunistischen Internationale (KI) zu halten. In Moskau lernt er Julia Schucht kennen, die er später heiratet.

1923
Während seines Aufenthaltes dort wird ein Teil des Exekutivkommittees der KPI (u.a. Bordiga) verhaftet; auch gegen Gramsci wird ein Haftbefehl erlassen. Gramsci polemisiert aber auch gegen Bordiga in der Frage des Umgangs des Exekutivkommittees der KI gegenüber der Sozialistischen Partei. Die Auseinandersetzung wird schliesslich dazu führen, dass eine Gruppe um Gramsci mit Unterstützung der KI die Führung der KPI übernimmt. Gramsci geht im Dezember nach Wien, um von dort aus die Verbindungen der KPI zu anderen europäischen KPs aufrechtzuerhalten.

1924-1926
Gramsci geht nach Italien zurück, da er bei Wahlen einen Parlamentssitz errungen hat und sich durch die parlamentarische Immunität gesichert glaubt. Am 10. Juni 1924 wird der sozialistische Abgeordnete Matteotti von Faschisten ermordet. Daraufhin ziehen die oppositionellen Gruppen aus dem Parlament aus. Dem darauf folgenden Popularitätsverlust begegnet Mussolini mit einer endgültigen Verschärfung der Repression, konsequenter Verfolgung der Opposition und dem Aufbau einer Geheimpolizei.
In den folgenden zwei Jahren verschärft sich die Situation immer mehr. Nicht nur die faschistische Repression, sondern auch Konflikte innerhalb der KPI, z.B. über die Taktik der „Einheitsfront“ machen den Kommunisten zu schaffen. Gramsci betreibt die „Bolschewisierung“ der Partei in Übereinstimmung mit der KI; die Partei wird auf Grundlage einer „Zellenstruktur“ umgeformt.

1926
Gramsci schickt einen Brief an das ZK der KPdSU, in dem er die Flügelkämpfe in der Partei kritisiert und darauf hinweist, diese könnten zu einem Verlust der „Führungsfunktion“ führen, „welche die KP der UdSSR durch den Impuls Lenins erlangt hatte“. Damit stellt sich Gramsci, der vorher stark gegen Trotzki polemisiert hatte, erstmals gegen Stalin. Togliatti hält den Brief zurück, der Inhalt wird aber Bucharin (der zur Gruppe um Stalin gehört) mitgeteilt.
Am 8. November wird Gramsci verhaftet und zunächst in die Verbannung nach Ustica (einer Insel bei Sizilien) geschickt. Er wird bis zu seinem Tod 1937 im Gefängis bleiben.

Wir haben uns noch für die Periode 1926-1937 zwei wichtige „Daten“ an die Tafel geschrieben;
Zuerst die Zeit der Stalinisierung, die sich 1926 noch in Konflikten innerhalb des Zentralkommittees der KPdSU zwischen Stalin und Trotzki ausdrückt. Nach Trotzkis Verbannung 1929 kann Stalin seine Macht konsolidieren, ab 1930 beginnt die Zeit der Säuberungen in der Partei und der Schauprozesse.
Gramsci bekam diese Entwicklung nur zeitverzögert und in Bruchstücken mit, da die Kommunikation mit seiner Frau Julia (in Moskau) und seiner Schwägerin Tatjana („Tanja“, in Italien) durch die Gefängniszensur nicht offen sein konnte. Das führte zu vielen Missverständnissen, unter anderem verstand Gramsci nicht, wieso Julia ihm nicht schrieb. Julia war aber selbst in Moskau isoliert, da Gramsci in Moskau in Ungnade gefallen war. (Er, der im Konflikt zwischen Stalin und Trotzki zunächst Trotzki und die „Abweichler“ kritisiert hatte – wenn auch eher mit taktischen Argumenten –, hatte sich später mehrmals inhaltlich gegen Stalin gestellt.)
Das zweite Datum ist Hitlers Machtübernahme, die Gramsci auch noch mitbekam.
Beide Ereignisse werden in den Gefängnisheften verarbeitet.

Die Frage für uns war jetzt: Welche Schlussfolgerungen können wir aus dieser Biographie für unsere Lektüre der gramscianischen Texte ziehen?

Dazu hatten stw und rh noch einen Text von Ursula Apitzsch gelesen, der sich mit genau dieser Frage beschäftigte und Beispiele aus Gramscis Briefen aus dem Gefängnis heranzog. Vor allem das Missverständnis, warum Julia ihm nicht schrieb, veranlasste Gramsci dazu, über seine eigene Situation und, nachdem er verstanden hatte, was seine Schwägerin Tanja ihm mitzuteilen versuchte, auch über Julias Situation nachzudenken. Gramsci kam zu dem Schluß, daß er sich in einem „doppelten Gefängnis“ befinde, dem faschistischen Gefängnis gesellte sich die politische Isolation bei.
Dabei verband Gramsci seine Autobiographie mit den politischen Entwicklungen; er sah beides nicht getrennt voneinander, sondern sah, dass die politische Situation tiefgreifende Auswirkungen auf die Psyche der ihr Unterworfenen hat. Wenn, so Gramsci, die Subjekte einer „molekularen“, langsam in kleinen Schritten sich entwickelnden Veränderung sind, die langsam ihre physischen und moralischen Widerstandspotentiale unterhöhlt, ist dies eine gefährliche Entwicklung. Diese will er nicht moralisch verstanden wissen, sondern als „politische Tatsache“. Gramsci verarbeitete dies in einem Paragraph in den Gefängnisheften in einem etwas drastischen Beispiel: dem Kannibalismus. Er schreibt:
„Man kann sagen, dass beim gegenwärtigen Stand der Zivilisation der Kannibalismus derart abstößt, daß einer gewöhnlichen Person zu glauben ist, wenn sie sagt: vor die Entscheidung gestellt, Kannibale zu werden, würde ich mich umbringen. In Wirklichkeit würde dieselbe Person, wenn sie vor die Entscheidung gestellt wäre, ‚Kannibale zu werden oder sich umzubringen‘, nicht mehr so vernünftig reden, weil derartige Veränderungen in ihrem Ich vorgegangen wären, daß das ‚Sich-Umbringen‘ sich nicht mehr als notwendige Alternative darstellen würde: sie würde zum Kannibalen, ohne auch nur daran zu denken, sich umzubringen. Wenn Herr Sowieso im Vollbesitz seiner physischen und moralischen Kräfte vor die Entscheidung gestellt wird, so besteht eine Wahrscheinlichkeit, daß er sich umbringt […]; aber diese Wahrscheinlichkeit gibt es nicht mehr (oder sie verringert sich sehr), wenn er einen molekularen Prozeß durchlitten hat, bei dem seine physischen und moralischen Kräfte zerstört sind.“
(GH Heft 15, §9, S. 1724)

In diesem Paragraph reflektiert Gramsci seine eigene Situation im Gefängnis (der Paragraph ist überschrieben mit „autobiographische Notizen“); er ist derjenige, der ständig gegen die Zerstörung der „physischen und moralischen Kräfte“ ankämpfen muss. Auch dies ist, wie der Briefwechsel belegt, ein Ziel der Gefängnishefte.

Für die nächste Sitzung haben wir uns die Einleitung von Thomas Barfuss zum Reader „Amerika und Europa“ vorgenommen, weil wir denken, dass sie uns etwas Orientierung verschaffen wird, wie wir weiter vorgehen.

Protokoll der ersten Sitzung (19.11.08)

nächstes Treffen: Mittwoch, 26.11.20 Uhr im Radioraum

Das erste Treffen fand am Mittwoch den 19.11. um 20 Uhr statt. Leider nur vier Anwesende. Es wurde hinsichtlich des Termins überlegt. 7 Personen hatten sich für Mittwoch, 6 für Freitag abend ausgesprochen. Einige, die sich für Mittwoch eingetragen hatten, waren nicht da. Die Anwesenden könnten im Prinzip auch am Freitag, wenngleich ihnen der Tag nicht so super passt. Darum wird erstmal wieder für den nächsten Mittwoch eingeladen. Wenn das wieder so wenige sind, versuchen wir es mit Freitag.

Basistexte

Uns steht ein breites Spektrum an Primär-und Sekundärliteratur, häufig aus dem Argument Verlag, zur Verfügung. Teilweise werden die Publikationen im Radioraum gelagert und können bei den Treffen direkt als Nachschlagewerke genutzt, oder bis zum nächsten Termin ausgeliehen werden.
- Gramsci-Reader „Amerika und Europa“ vom Argument Verlag
- Gramsci-Reader „Erziehung und Bildung“ vom Argument Verlag
- Gramsci, Antonio. Gefängnishefte
Band 1; (1. Heft) ISBN 3-88619-411-6
Band 2; (2. u. 3. Heft) ISBN 3-88619-412-4
Band 3; (4. u. 5. Heft) ISBN 3-88619-413-2
Band 4; (6. u. 7. Heft) ISBN 3-88619-414-0
Band 5; (8. u. 9. Heft) ISBN 3-88619-415-9
Band 6; Philosophie der Praxis (10. u. 11. Heft) ISBN 3-88619-416-7
Band 7; (12. u. 15. Heft) ISBN 3-88619-417-5
Band 8; (16. u. 21. Heft) ISBN 3-88619-418-3
Band 9 (22. bis 29. Heft) ISBN 3-88619-419-1
Band 10 (Konkordanz/Registerband)

- Gefängnisbriefe II Briefwechsel mit Tanja Schucht 1926-1930

- HKWM-Artikel von Peter Wagenknecht zu Heteronormativität (sowie weitere marxistische und gramscianische Stichwörter)

- Weitere Texte von Gramsci (Jugendschriften, Artikel in der Ordine Nuovo, Avanti)

- diverse Gramsci-Biografien

- diverse Gramsci-Einführungen

Die 10 Bände der „Gefängnishefte“ sind im Radioraum gelagert und stehen allen zur Verfügung. Einzelpersonen aus dem Lesekreis besitzen die bisherigen Bände des HKWM, die „Gefängnisbriefe“ und gesammelte Artikel von Gramsci (auf Englisch) sowie verschiedene Einführungen und Biografien, die bei Bedarf gerne ausgeliehen werden. Alle diese Bücher sind auch in der Unibibliothek vorhanden.

Vorstellungsrunde

Die Anwesenden haben sich kurz vorgestellt, erzählt, wie sie auf die Gruppe gestossen sind, und ihre Wünsche und Erwartungen untereinander ausgetauscht.

Gemeinsames Vorgehen

Es wurde ausführlich über das gemeinsame Vorgehen in dieser Lektüregruppe gesprochen. Was wollen wir lesen? Wie wollen wir lesen? Lesen wir z.B. sequentiell die Texte der Reader? Vertiefen wir mit (aktuellen) Publikationen heutiger (Politik-)Wissenschaftler/innen? Wann wird jeweils in die Diskussion eingestiegen (nach thematischen Aspekten)? Werden nur die Gramsci-Texte oder auch heutige aktuelle Themen diskutiert? Dieser Abstimmungsprozess ist uns wichtig und wird sicher das nächste Mal fortgesetzt.

Gramscianische Begriffe

Es tauchten immer wieder verstreut erste gramscianische Begriffe auf: Hegemonie, Zivilgesellschaft, organische Intellektuelle, integraler Staat, passive Revolution. Wir haben vor, gemeinsam ein Glossar zu bearbeiten und können dazu einen Blog nutzen (http://gramsci.blogsport.de) Lesen dürfen alle, schreiben und kommentieren nur die TeilnehmerInnen unserer Lesegruppe. Dort landen auch unsere Protokolle.

Gramsci-Biografie

Alle bereiten sich bis zum nächsten Mittwoch darauf vor, die Gramsci-Biografie zusammenzutragen (aus allen erdenklichen Quellen). Daran können sich natürlich auch diejenigen beteiligen, die das erste Mal nicht da waren.

Gramsci zu Intellektuellen

„Die Intellektuellen sind die ‚Gehilfen‘ der herrschenden Gruppe bei der Ausübung der subalternen Funktionen der gesellschaftlichen Hegemonie und der politischen Regierung, nämlich:

1. des ’spontanen‘ Konsenses, den die großen Massen der Bevölkerung der von der herrschenden grundlegenden Gruppe geprägten Ausrichtung des gesellschaftlichen Lebens geben, eines Konsenses, der ‚historisch‘ aus dem Prestige (und folglich aus dem Vertrauen) hervorgeht, das der herrschenden Gruppe aus ihrer Stellung und ihrer Funktion in der Welt der Produktion erwächst;

2. des staatlichen Zwangsapparats, der ‚legal‘ die Disziplin derjenigen Gruppen gewährleistet, die weder aktiv noch passiv ‚zustimmen‘, der aber für die gesamte Gesellschaft in der Voraussicht von Krisenmomenten im Kommando und in der Führung, in denen der spontane Konsens schwindet, eingerichtet ist.“

GH, Heft 12, §1, S. 1502

Gramsci zu Hegemonie

„Das methodologische Kriterium, auf welches die eigene Untersuchung gegründet werden muss, ist folgendes: dass sich die Suprematie einer gesellschaftlichen Gruppe auf zweierlei Weise äußert, als ‚Herrschaft‘ und als ‚intellektuelle und moralische Führung‘. Eine gesellschaftliche Gruppe ist herrschend gegenüber denjenigen Gruppen, die sie ‚auszuschalten‘ oder auch mit Waffengewalt zu unterwerfen trachtet, und sie ist führend gegenüber den verwandten und verbündeten Gruppen. Eine gesellschaftliche Gruppe kann und muss sogar bereits führend sein, bevor sie die Regierungsmacht erobert (das ist eine der Hauptbedingungen für die Eroberung der Macht); danach, wenn sie die Macht ausübt und auch fest in Händen hält, wird sie herrschend, muss aber weiterhin auch ‚führend‘ sein.“
GH, Heft 19 §24, S. 1947

Herzlich Willkommen zu unserer Lektüregruppe!

Hier entsteht die Website der Gramsci-Lektüregruppe der Alternativen Hochschulgruppe (AHG) Konstanz.

Sie dient der Selbstverständigung und wird zunächst die wöchentlichen Protokolle und ein Glossar zu gramscianischen Begriffen enthalten.

Alle TeilnehmerInnen des Lesekreises erhalten Schreibrechte und können Kategorien (= Begriffe) erstellen und einzelnen Artikel zuordnen. Unter den Artikeln kann frei diskutiert werden.